… eine kleine Erstsemestlerin, die unheimlich aufgeregt ihre erste Reise vom Hundertseelendorf in die große weite Stadt antrat. Nach 1,5 Stunden Fahrzeit mit Auto und Bahn dann die Ankunft an der Universität mit dem Bewusstsein wieder einmal ganz unten anzufangen als Grünschnabel in einer neuen Welt, in einem neuen Lebensabschnitt. Umso wichtiger sind Verbündete, die mit einem gemeinsam die ersten Schritte tun und davon möchte ich euch heute berichten.
Es war der erste Tag meines Japanologie- und Germanistik-Studiums in Frankfurt und die erste “Fleißveranstaltung” noch vor dem offiziellen Beginn des Unterrichts: die Bibliotheksführung der Japanologie!
Ich war überwältigt von den riesigen Regalen, in denen sich Bücher mit mir damals noch völlig fremden Schriftzeichen türmten. Mit dem Bestreben von Anfang an gleich möglichst alles richtig zu machen wurde fleißig auf nagelneuen Kollegenblöcken mitgeschrieben wie man wo welches Buch findet. Und dann die erste Generalprobe! Wie bei einer Schnitzeljagd bekam jeder einen Zettel mit einem Buch, das es im Dschungel der japanischen Buchtitel zu finden galt. Und da passierte es…
Wir trafen uns vor dem Manga-Regal! Drei Mädchen, deren Schicksal von der ersten Sekunde an besiegelt sein sollte. Wenn ich heute daran zurück denke, erscheint mir das erste Zusammentreffen mit meinen bis heute besten Freundinnen wirklich magisch. Als wäre damals für einen kurzen Moment die Zeit stehen geblieben und ein helles Leuchten hätte sich vom Himmel auf uns herab gesenkt.
Jetzt liegt das Ende meiner Studentenzeit unmittelbar bevor und in einem Anflug von Nostalgie ziehen die vergangenen Jahre wie ein Film vor meinem inneren Auge vorbei. Die verschiedenen Semesterabschlussfeiern, Erinnerungen an die Zeiten vor den Prüfungen, wenn wir zusammen gelernt und einander Mut zugesprochen haben, auch die Zeiten, wenn eine von uns in Japan war und die beiden anderen jeden Bericht aufgesogen haben, um wenigstens ein bisschen das Gefühl zu haben direkt dabei zu sein, im Land unserer Träume. Ich erinnere mich an Unterrichtsstunden, in den Kakis mit aufgemalten Gesichtern uns zum Kichern gebracht haben. Und an das Falten von 1.000 Kraninchen, um eine Pedition gegen die Studiengebühren zu unterstreichen.
Wir haben immer alles zusammen gemacht und waren das “Dreigestirn” der Japanologie. Es war eine wirklich schöne Zeit und wahrscheinlich werde auch ich eines Tages zu meinen Kindern sagen “Die schönste Zeit meines Lebens war mein Studium” und diese Zeit habe ich mit euch verbracht meine beiden unermüdlichen Mitstreiterinnen! Auch wenn jetzt alles anders wird und jede ihrer eigenen Wege geht, hoffe ich sehr, dass wir uns niemals aus den Augen verlieren und auch in unserem nächsten Lebensabschnitt beste Freundinnen bleiben.
Christianchen, viel Glück auf deinem Endspurt. Du packst das! Und dann feiern wir zum dritten Mal. Tschakka! Dein Glücksschweinchen, das du mir im ersten Semester geschenkt hast, hat mich bis heute bei jeder Prüfung begleitet und wird mir sicher auch für die letzte Prüfung Glück bringen.
Johannalein, du bist so toll! Du bist wirklich eine starke, super intelligente Frau. Für deine Zukunftspläne drücke ich dir ganz doll die Däumchen. Das ist nicht das Ende, sondern ein neuer Anfang!
Danke an alle, die mich die letzten Jahre begleitet haben. Am 18. Februar heißt es ein letztes Mal Daumen drücken und danach gibt es hoffentlich Grund zu feiern. Ich bin traurig, dass alles zuende geht, aber auch sehr gespannt wie es “danach” weiter geht. Es hilft alles nichts, aber jetzt werde ich sehr bald wieder ein Grünschnabel sein…
























