Irgendwas, das bleibt…
Wie in dem aktuellen Titel der Gruppe Silbermond, sehne auch ich mich immer wieder nach “Irgendwas, das bleibt”. Ich bin ein Gewohnheitstier, das sich am wohlsten mit einem festen Tagesablauf fühlt und keine Langeweile verspürt beim immer gleichen Trott, der mich durch die Jahreszeiten wiegt. Neue Situationen sind mir meist unangenehm und machen mir Angst. Und doch gibt es kaum etwas, das sich nicht verändert. Und manche Veränderungen sind ja auch sehr gut…
Den bisher härtesten Knacks hat mir erstaunlicher Weise die Vertreibung aus meiner zweiten Heimat zugesetzt. Erstaunlich deshalb, weil mir schon einige Dinge in meinem Leben wie schwarze Tintenflecke auf einem weißen Taschentuch erschienen, aber dieser schmerzte wirklich bisher am meisten.
Seit meiner Geburt sind wir jedes Jahr (wirklich jedes!) mindestens einmal im Jahr zum Campen nach Österreich an den Millstätter See in Kärnten gefahren. Die Fahrt von ca. 8 Stunden erschien uns Kindern immer endlos lang und wir haben auf der Rückbank im Auto versucht zu schlafen, damit die Zeit etwas schneller vergeht. Am meisten gefreut haben wir uns auf den Zwischenstop bei Mc Donalds in Geiselwind. Dort gab es erst die “Juniortüte”, ein paar Jahre später das “Happy Meal”…
Irgendwann kamen dann endlich die ersten Berge in Sicht, mein kleiner Bruder meint “Die Wolken hängen wie Schaum in den Bergen.” und alle lachen. Ab da wird dieser Spruch jedes Jahr zum Besten gegeben beim Anblick der ersten Berge.
Und dann kam die Grenze nach Österreich in Sicht. Wir verhielten uns immer ganz still, wenn Papa an dem Grenzbeamten die Papiere reichte. Bloß nicht auffallen. Anspannung! Ein bisschen das Gefühl sich “rüber schleichen” zu müssen. Bloß kein Muks! Und dann nickte der Grenzbeamte und wir durften die Grenze passieren. Großer Jubel brach aus!
Nach einigen Jahren standen keine Leute mehr an der Grenze. Die Häuschen des Grenzgebäudes lagen da wie ausgestorben. Keine Anspannung, mehr einfach still hinüber fahren, dafür ist der Jubel etwas leiser geworden. Noch ein paar Jahre verschwand auch die österreichische Währung “Schilling” und der Euro kam und mit ihm verschwanden die Gebäude an der Grenze. Nur ein Schild markiert seither die Grenze nach Österreich. Kein Jubel mehr, statt dessen wehmütiges Zurückerinnern.
Auf dem Campingplatz angekommen wurde der Wohnwagen abgestellt und unsere Eltern begannen das Vorzelt aufzubauen, während ich meinen Bruder bewaffnet mit einigen Süßigkeiten (als Picknick) in seinem rot-gelben Plastik-LKW an einer Schnur über den Campingplatz bis zum Spielplatz zog. Es war ein kleiner Spielplatz mit einer zerbeulten Rutsche, deren blaue Farbe bereits abblätterte, zwei Reifenschaukeln und einem kleinen Holzhäuschen. Irgendwann wurde die Rutsche neu gestrichen und der Spielplatz zum Gelände für die “Kleinen” erklärt, während für die “Großen” ein neuer, größerer Spielplatz errichtet wurde. Mit einer orangenen Riesenrutsche, einem Karussel zum selber drehen und einem Stall mit Ponies und Ziegen. Herrlich! Solche Veränderungen liebten wir! Und wenn unsere Eltern abends in der Campinggaststätte Pizza aßen, gab es für uns nichts schöneres als auf dem Spielplatz herum zu toben und uns immer wieder ein Stück Pizza abzuholen, nur um erneut davon zu flitzen. Noch heute esse ich meine Pizza am liebsten mit Salami und Champignons und direkt aus der Hand!
Wenn es warm war, ging es an den See ins Strandbad Sittlinger, die noch heute die leckersten, größten Eisbecher haben (auch wenn das Restaurant des Strandbads jetzt in einem neuen, viel größeren Häuschen ist und das ehemalige Restaurant jetzt Teil einer Ferienwohnung ist). Früher hatte ich regelmäßig trotz Sonnencreme einen Sonnenbrand und ich weiß noch wie das Ypsilin (Desinfektionsmittel, das auch super gegen Verbrennungen und alles mögliche andere hilft) den Schlafanzug an meiner Haut festklebte. Nach ein paar Tagen war der Schmerz vergessen und es ging wieder in die Sonne zum Sandburgen bauen. Immerhin: Damals wurde ich noch richtig schön braun. Irgendwann bekam der Campingplatzbesitzer sein eigenes Strandbad und wir gingen zum Sittlinger nur noch zum Essen. Erst als ich meine Kaninchen das erste Mal mit in den Urlaub nahm, kehrten wir in unser ehemaliges Stammstrandbad zurück, weil wir die Besitzer kannten und sie es uns erlaubten die Kaninchen mit auf die Wiese zu nehmen. Manche Dinge können sich also auch zurück ändern.
Ich habe noch unzählige, weitere schöne Erinnerungen an meine Zeit in Österreich, doch letztes Jahr ging diese Zeit unweigerlich zuende. Wir hatten unser 25jähriges Jubiläum, dann ein unerklärlicher Streit mit den Besitzern des Campingplatzes und das Ende vom Lied: Wir mussten im wahrsten Sinne des Wortes “alle Zelte abreißen”. Es tut mir immernoch in der Seele weh, auch wenn wir dieses Jahr nach einem Jahr Pause wieder an den Millstättersee fahren, dieses Mal allerdings in eine Ferienwohnung.
Und wieder frage ich mich, gibt es nicht irgendwas, irgendwas, das bleibt?
Marus Reise-Countdown:
noch 14 Tage bis Berlin
noch 63 Tage bis Österreich



















@ Paleica: Ich finde das Lied von Silbermond auch toll Sie haben viele Lieder, die vom Text her sehr gehaltvoll sind und besonders zu diesem Lied fällt mir persönlich halt ganz viel ein.
das lied von silbermond ist total schön. ich war vor 2 wochen am konzert, ich war total begeistert. schön auch, was und wie du das alles beschreibst. ein großer fan von veränderungen bin ich auch nicht gerade…
[...] möchte. Und nebenher sind die Themen für die Prüfungen noch vorzubereiten. Aber bis zum Sommerurlaub (den ich mir dann wirklich verdient habe) soll alles noch fertig [...]
@ Johanna: Das hast du natürlich recht. Ich bin eine Dramaqueen und konnte schon immer herrlich im Selbstmitleid ersaufen. Und ich bin schon immer sehr extrem gewesen. Mal himmelhoch jauchzend, mal zu Tode betrübt. Die Zukunft ist so ungewiss und die Dinge auf die ich mich ehrlich freue, liegen für mich noch in weiter Ferne. Da sind mehr Sachen, die mir Angst machen und mich hemmen, als dass ich stolzen Schritts vorran schreite. So lebe ich in den schönen Erinnerungen und versuche das JETZT so intensiv wie möglich zu erleben. Aber die Zukunft ist für mich ein großes Fragezeichen.
Die Vergangenheit ist es, die uns prägt und zu dem Menschen geformt hat, der wir heute sind. Aber ich denke ich sollte mich wirklich bemühen die Vergangenheit etwas mehr Vergangenheit sein zu lassen und das aktuelle Geschehen etwas positiver zu sehen. Ich freue mich am meisten darauf, wenn endlich der Alltag in mein Leben einkehrt, ich einen richtigen Job gefunden habe, bei dem ich täglich versuchen kann über mich hinaus zu wachsen und Zuhause warten die Grundfesten der Familie auf mich. Und dann ist am Wochenende auch für mich wieder Wochenende…*haaach*
Hmm, also ich meine, du ergehst dich zu sehr in Nostalgie.
). Meinst du nicht, dass du es dir damit manchmal schwerer machst als nötig und du deswegen immer wieder so furchtbar traurig sein musst?
Erinnerungen sind was ganz wertvolles, aber du scheinst häufig so sehr an ihnen zu hängen, dass dir vergangenes näher zu sein scheint als ein neugieriger blick in die zukunft, die sicher noch ganz viel tolles für dich bereit hält (Romi am Altar, kleine marus und romis, …
@ Pina: Es stimmt, dass es auch andere tolle Urlaubsorte gibt und mit Japan und der Karibik habe ich bereits zwei weitere “Lieblingsreiseziele” entdeckt. Aber mit Österreich ist es anders. Die AIDA-Karibik-Reisen waren für mich Reisen, bei denen man sehr viel erlebt. Jeden Tag steuert das Schiff eine andere Insel an, man bucht verschiedenste Ausflüge und ein Highlight jagt das nächste. dazu wird man auf dem Schiff rundum verwöhnt und futtert sich, ob man will oder nicht, kugelrund.

Japan hingegen war der reinste Marathon. Ich glaube ich bin noch nie so viel gelaufen. Gegen Ende der Reise haben meine Fußgelenke schlapp gemacht und ich bin trotzdem weiter gehumpelt, weil ich nicht eine Sekunde der Zeit in meinem “Traumland” verschwenden wollte.
Doch Österreich ist für mich nicht einfach Urlaub. Es ist eine Flucht aus dem Alltag. Dort konnte ich immer wirklich Kraft schöpfen. Oft habe ich einfach nur auf meiner Matratze gelegen und den Wolken zugesehen, wie sie über den blauen Himmel wandern. Und ich habe beinahe jeden Tag ein Mittagsschläfchen am Strand gehalten und ich kam ganz viel zum Lesen. Gegen Ende des Österreichsurlaubs war ich immer voller Tatendrang und habe mich auch schon auf die Aufgaben Zuhause gefreut. Das war bisher bei keinem anderen Urlaub so…
@ Marlen: Ich bin ein kleiner Sturkopf und sage mir “jetzt erstrecht”. *kicher* Ich bin sicher egal wie der Urlaub wird, besser als der letzte Sommer (der erste Sommer meines Lebens komplett Zuhause…) wird er bestimmt, denn da hat einfach was gefehlt und ich fühlte mich die ganze Zeit so wie auf dem Sprung “Jetzt müsste es aber doch gleich los gehen” – schon verrückt.
Das hört sich nach einer wirklich tollen Zeit an, die Ihr da immer in Östereich hattet… und es ist wirklich mehr als schade, dass wegen eines *dummen* Streits alles vorbei ist. Trotzdem wünsche ich Euch auch dieses Jahr eine schöne Zeit… wenn vielleicht auch ein bisschen Wehmut dabei ist, ist es vielleicht manchmal ganz schön auch was Neues kennenlernen zu *müssen*
Ich habe auch so schöööööne Kindheitserinnerungen… an die Sommer und später Sommer- und Winterferien bei meiner Oma auf Rügen. Immer noch ist meine Zeit dort immer wie eine kleine Reise zurück… auch wenn sich optisch dort eigentlich alles verändert hat – die Erinnerung bleibt und ich hoffe, dass ich noch GANZ lange jedes Jahr für ein paar Tage dorthin kann (auch wenn die Sommerferien damit nicht ganz ersetzt werden können… aber wer bekommt schon 8 Wochen Urlaub am Stück
)
*hach* ja…
Maru, du weißt ja wir waren früher immer mit euch in Österreich und haben gemeinsam da unten Urlaub gemacht. Ich kann mir vorstellen wie es dir geht, denn mir hat unser Familienurlaub damals noch mit unseren Eltern viel gegeben, dennoch muß ich sagen es gibt auch noch andere sehr schöne Urlaubsorte und du wirst es auch noch feststellen.
@ Mmchen: Und gerade weil es nur um eine Kleinigkeit ging, will mir die Geschichte nicht in den Kopf rein. Dieses Jahr wird alles anders. Vor allem sind wir dieses Jahr auch zum ersten Mal zu sechst!
@ Teji: Ich bin wild entschlossen es zum besten Urlaub überhaupt werden zu lassen. Jetzt erst recht!
@ Sari: Da hast du nicht unrecht. Die Familie ist etwas beständiges. Aber die Familie ist für mich der absolute Boden meiner Existenz. Ohne die ginge gar nichts. Also kann man sagen, dass ich mein restliches Leben von diesem Boden ausgehend betrachte und insofern stand es für uns auch fest egal wie, wo, wann wir Urlaub machen würden, zusammen müsste es sein.
Hm, ist die Familie nicht etwas Beständiges? Ok, auch diese entwickelt sich stetig weiter, aber irgendwie ist sie auch beständig, oder?
Und wenn etwas Altes geht, wird der Weg oft auch einfach nur für etwas Neues freigemacht und Neú ist nicht immer unbedingt schlecht, oder?
Uhi, das ist ja doof, dass ihr nach so vielen Jahren wegen eines Streites nicht mehr dort hin könnt o.O
Vorallem muss es für dich dort total schön gewesen sein, wenn man so liest, was du schreibst.
Ich hoffe aber für euch, dass trotz des “Platzwechsels” der nächste Urlaub genauso schön wird, wie auch die vorigen.
Was soll ich dazu sagen? Wir hatten alle über die 25 Jahre eine sehr schöne Zeit in Österreich verbracht. Wir haben in dieser Zeit viele Freunde gefunden. Jedes Jahr stellten wir erneut fest, wie groß unsere Kinder geworden sind. Auch unsere Nachbarn hatten Kinder im Alter wie unsere. Ich war sehr verärgert und enttäuscht über diesen Streit letztes Jahr. Eigentlich war es gar kein Streit. Es ging um eine Kleinigkeit. Aber Schwamm drüber. Diese Sache habe ich heute immer noch nicht verdaut und ich fahre mit sehr gemischten Gefühlen wieder in diese Gegend.
Für mich steht fest, daß ich diesen Campingplatz nie wieder betreten werde. Auch nicht, um unsere Bekannten zu treffen. Außerhalb des Geländes ist es für mich kein Problem.
Mal sehen was unser Urlaub dieses Jahr an Gefühlen bringt.
@ Stricksogge: Ich mochte immer das Kasperltheater und den Laternenumzug total gerne. *immer die kleinen Campingstühle bis zum Kasperltheater geschleppt*
@ Myth: Ich hätte mir auch nie träumen lassen, dass ich so sehr an einem Ort hänge, aber es ist eigentlich nicht der Ort an sich, sondern es sind die vielen schönen Erinnerungen, die ich damit verbinde. Wenn mich jemand nach den glücklichsten Kindertagen fragen würde, ich würde vermutlich von Tagen in Österreich berichten. Auch später war es für mich immer der schönste Tag im Jahr, wenn meine Eltern mich am letzten Schultag direkt nach den Zeugnissen abgeholt haben und los ging´s. Egal wie das Zeugnis aussah, für ca. 3,5 Wochen konnte ich alles hinter mir lassen und vergessen. Aber schon als Kind merkte ich diese kleinen Veränderungen und sie haben mir nicht sonderlich gefallen… Aber ich komme heute dennoch schon ein bisschen besser mit Veränderungen klar, denke ich.
wenn man an gott glaubt kann man sagen gott war schon immer da, und wird ewig bleiben unverändert bleiben, wenn man nicht an gott glaubt, dann muss irgendwas dagewesen sein aus dem sich wie auch immer die welt entstand (materie gase oder sonstwas)
ansonsten bleibt nur die dummheit der menschen immer :-)
ich bin eigentlich auch ein mensch der so veränderungen nicht mag. letztlich haben sie mir aber bisher weniger ausgemacht als ich es vorher befürchtete. ich glaube ich bin eher personenbezogen an kontinuität interessiert. ortswechsel machen mir eher weniger aus.
Waahh, wie cool O.O
Also ich war damals ja noch etwas jünger und war immer in dieser Kinderbetreuung^^
@ Stricksogge: Genau da waren wir die 25 Jahre lang!!! Das gibt´s ja nicht. Wie klein die Welt doch ist! Wir hätten uns quasi schon mal über den Weg laufen können, vielleicht. *staun*
Ich habe die Zeit da auch echt genossen. *snüff* Und immer um 22h lief im Zeltlager nebenan Mozarts “Kleine Nachtmusik”. *seufz* Hach ja… Ich fahre da dieses Jahr mit einem weinenden und einem lachenden Auge hin. Dieses Jahr sind wir beim Winkler in einem Ferienhaus. Das ist der Campingplatz direkt am See.
Hey, da waren wir auch schon zwei Mal. Wie hieß euer Campingplatz? Wir waren immer beim Burstaller. Der hat total geniale Badehäuser (also die Sanitäranlagen).
@ Waayoo: So oft ich auch darüber nachdenke, mir will es echt nicht in den Kopf rein, was da wie schief gelaufen ist. *seufz* Wir waren alle mehr als betröbbelt deswegen, vermuten aber hinter dieser Gewaltaktion eine Baumaßnahme, die unseren Jahresplatz (nach einer Weile blieb der Wohnwagen dort fest stehen, womit das zeitfressende Zelt auf- und abbauen entfiel) betrifft. Wenn ich dieses Jahr hin komme werde ich nachsehen, auch wenn´s schmerzt. Ich gehe an den “Ort des Geschehens” zurück und vielleicht finde ich jemanden, dem ich meinen ganzen Schmerz mal an den Kopf pfeffern kann. Man sollte ja doch meinen, das wir 25 Jahre mehr als treue Kunden waren.
Und du hast recht: hier fehlt ein trauriges Smiley-Hasi!
Ohh, solche Erinnerungen sind wunderbar!
Achso und nen zwinker ;-)
Aber immer schade, dass es nur Erinnerungen sind…
Und erst recht, wenn soetwas passiert, wie bei euch. Ich finde es irgendwie schon seltsam, nach 25 Jahren ein Streit und nie wieder hin oO
Wenn ich mir das vorstelle, dass soetwas bei unserem jaehrlichen Oesterreichurlaub passieren koennte *graus* Wir fahren naemlich immer in den Osterferien zum Ski fahren, nur ein Mal zu Gunsten eines Thailandurlaubes ausgesetzt und dieses Jahr konnte ich natuerlich auch nicht mit. Das ist ganz seltsam, wenn man so mitbekommt, wie alle hinfahren, was so grob passiert ist & wie es war und dann Postkarten davon bekommt usw…
Maru? Dir fehlt ein trauriger Smiley-Hase. Nicht, dass man gerne traurig ist, aber irgendwie braucht man den ja doch mal